Outdoor Type

Wenn es draußen ungemütlich wird, werden auch meine Mitmenschen ungemütlich, denn sie ziehen ihre Outdoor-Klamotten an.

Ich schaffe es noch nicht einmal, einen Schirm einzupacken, geschweige denn, dass ich überhaupt jemals eine Regenjacke besessen habe. Ich bin der nasse Köter, der Stinketyp, dem die Brille beschlägt, wenn er das Restaurant für das Blind-Date betritt. Meine Mitmenschen haben immer alles dabei, deswegen tragen sie auch diese riesigen Rucksäcke auf ihrem Rücken, den ihre Blagen in der Mini-Version für ihre Frühstücksdose haben und erschlagen mich damit bei Konzerten oder U-Bahn-Fahrten. Müsst ihr jetzt auch noch unterwegs wohnen?

In ihren Rucksäcken sind Wechselkleidung, ein Handtuch, irgendein Fantasy-Roman und eine Bio-Banane. Eigentlich bräuchten sie gar keine Wechselklamotten, denn ihre Jacken sind aus Zeltplane. Noch nicht einmal Reinhold Messner, Werner Herzog oder Chris Watson sind so gut ausgerüstet. Meine Mitmenschen finden diesen Look auch trendy. Sogar bei leichtem Nieselregen schlüpfen sie in ihre Uniform. So erkennen sich die Arschlöcher auf der Straße und grüßen sich wie 2CV-Fahrer. Warum wollen Menschen dieses Zeug anziehen? Weil sie trocken bleiben wollen? Oder cool? Bei dem Wort Funktionsjacke werden einige Mädchen feucht und lassen nur noch nordische Gesichter ran. Jungs lieben es, die Tatzen ihrer Jack Wolfskin-Jacken zu streicheln.

Meine Mitmenschen sind doch alle sooo verantwortlich und gerne Outdoor, vergessen aber, dass ihre Lieblingsmarken nicht nur schweineteuer sind, hässlich sowieso, sondern auch nicht fair, sozial und ökologisch korrekt produziert werden. Egal, die Kollegen auf der Arbeit haben sowas, dann muss ich das auch haben. Sie sind so schön schlicht und die Farben. Yummy.

So ne Kacke. Ihr seht alle gleich aus. Es gibt nichts, was noch weniger sexy ist als Outdoor-Kleidung. Wenn ich ein Bär wäre, ich würde in die Stadt kommen und mir so Exemplare reißen und mal richtige Tatzenabdrücke hinterlassen.

Jack Wolfskin plant den kompletten Ausstieg aus der Fluorchemie bis 2020. Ich hoffe, dass die globale Erwärmung uns bis dahin dieses ganze Outdoor-Ding vergessen lässt und wir gepflegt nackt auf dem Bärenfell in unseren Wohnzimmern hocken und den Kindern erzählen, dass man früher mal draußen unterwegs war, in Klamotten, die sich dem Großstadtdschungel angepasst haben und deutsche Menschen wie eine Uniform trugen, um sich zu schützen. Die Klamotten waren das Erkennungsmerkmal einer Kaste, die sich immer in Sicherheit wissen wollte, wenn sie das Haus verlies. Die Deutschen, ein ängstliches und trauriges Volk, gehüllt in Fleece und Co.. Wer keine Wolfshaut hatte, gehörte nicht zum Zirkel. Die ängstlichen Schäfchen gingen Händchen haltend aus dem Haus. Sie hielten Sturm und Regen stand und langweilten sich zu Tode.

2020 könnte alles vorbei sein, bis dahin bastel ich an Bärenfallen, die ich am Hauptbahnhof, in der Uni und in St.Pauli aufstellen werde. Wenn alles gut läuft, erwische ich auch die Totenkopf-T-Shirt-Merchandise-Pseudo-Punk-Fußball-Fans. Dann fahre ich in den Duvenstedter Brook und binde die Volldeppen an einen Baum und lege Bio-Bananen aus, um Bären anzulocken.

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